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Nachhaltig streichen #projektnachhaltigerumzug

Wer umzieht kommt in der Regel nicht ums renovieren herum. Oftmals ist es im Mietvertrag geregelt, dass bei Einzug gestrichen wird. Aber auch, wenn es anders aussieht: für mich ist streichen immer mit dem Gefühl von Ankommen und wohlfühlen verbunden. Jeder Pinselstrich hat etwas von “jetzt wohne ich hier”. Deshalb war für mich von Anfang an klar, dass die neue Wohnung gestrichen wird – und da die Vormieter einige Wände bunt gestrichen hatten, gab es für mich sowieso keine andere Alternative.

Was bedeutet nachhaltig streichen überhaupt?
Es gibt ganz unterschiedliche Aspekte, die man in Bezug auf Nachhaltigkeit beim streichen und renovieren beachten kann und die für mich relevant waren:
– Zeit und Aufwand
– die Farbe
– die Hilfsmaterialien (Rollen, Pinsel etc.)
– Schutz der Böden und Möbel

Für mich hatte ganz oberste Priorität, dass es zügig geht und die Wände nicht am Ende noch vier Mal nachgestrichen werden müssen. Außerdem war mir wichtig, dass ich beim Öffnen des Farbeimers nicht nach hinten weg kippe vor lauter Chemie-Geruch. Sprich: im Gegensatz zu früher wollte ich etwas genauer auf die Inhaltsstoffe gucken und vorher recherchieren, was es für Unterschiede gibt.

Weiß, oder darf es etwas Farbe sein?
Ich hatte kurz überlegt, ob ich diesmal etwas Farbe an die Wand bringen soll – meine letzte Wohnung war komplett weiß gestrichen. Doch nach einigem hin und her habe ich mich wieder für all white entschieden. Zum einen ist es einfacher und zum anderen bin ich so freier in der Gestaltung der Räume. So lege ich mich nicht fest, was die Wahl der Möbel angeht, kann die Bilder und Deko ganz frei kombinieren – und bei Bedarf auch nach einiger Zeit wieder austauschen, ohne die Wandfarbe berücksichtigen zu müssen.

Die Wahl der Farbe
Es gibt mittlerweile einige unterschiedliche Anbieter für nachhaltige Wandfarben – sowohl Marken, die ausschließlich Öko-Farben anbieten, also auch Hersteller konventioneller Farben, die Produktreihen mit Natur- und Ökofarben im Sortiment haben. Und auch hier gibt es große Unterschiede und ganz unterschiedliche Typen: neben den klassischen Dispersionsfarben gibt es auch Lehmfarben, Kalkfarben und Silikatfarben.
Hier ein kurzer Überblick, was diese unterschiedlichen Farb-Typen ausmacht:
Dispersionsfarben: Diese Wandfarbe wird auf Wasserbasis hergestellt, ist atmungsaktiv, besteht aus Binde-, Lösungs- und Konservierungsmitteln, Füllstoffen und Pigmenten. Diese gibt es in großer Auswahl in jedem Baumarkt zu kaufen – sozusagen der Klassiker unter den Wandfarben. Wer nach ökologischen Alternativen zu dieser klassischen Dispersionsfarben schaut, wird mittlerweile auch im Baumarkt fündig: Es gibt einige Anbieter wie Alpina oder Auro, die diese Farben ohne Konservierungs- und Lösungsmittel herstellen; denn genau diese Inhaltsstoffe stehen in der Kritik.
Silikatfarben: Silikatfarben sind Mineralfarben und sowohl schadstofffrei als auch unempfindlich gegen Schimmel – zudem sind sie sehr langlebig.
Kalkfarben: Kalkfarben kommen komplett ohne Konservierungsstoffen aus und ermöglichen einen gesunden und natürlichen Anstrich der eigenen vier Wände. Durch den hohen pH-Wert können die Wände gut atmen, was Schimmel vorbeugt.
Lehmfarben: Lehmfarbe kauft man in der Regel in Pulverform, welches man zu Hause einfach mit Wasser anmischen kann. Sie wirkt sich nicht nur positiv aufs Wohnklima aus, sondern besteht auch aus natürlichen Inhaltsstoffen: Tonmehl, Pflanzenstärke und natürliche Zellulose sind die Grundinhaltsstoffe. Zu den Eigenschaften von Lehmfarbe zählen, dass sie atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und geruchsabsorbierend sind.
Quelle: Utopia.de

Schnell soll es gehen und praktisch soll es sein
Für mich war ganz wichtig, dass ich die Farbe nicht im Internet bestellen muss, sondern mir vor Ort im Geschäft die unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten anschauen kann. Ich bin zwar kein Gegner vom online bestellen – aber mehrere 10 Liter Eimer Farbe im Internet zu kaufen und dann evlt. zu viel gekauftes auch wieder zurück zu schicken … also habe ich mich im örtlichen Baumarkt einfach mal genauer umgeschaut.

Worauf muss man noch achten?
Die Preisspanne von Wandfarbe ist enorm – von 10€ für 10 Liter Farbe bis hin zu fast 100€ ist so ziemlich alles dabei. Der Preis kann, aber muss kein erstes Kriterium für Ökofarben sein. Klar ist: für 10€ werdet ihr keine nachhaltigen Farben finden. Weitere, wichtige Kriterien sind definitiv die Inhaltsstoffe und auch mögliche Siegel und Zertifikate. Wie siehts beispielsweise mit einer Öko-Test Bewertung aus (wobei es natürlich auch Kritik an diesen Bewertungen gibt)? Oder, meiner Meinung nach noch wichtiger: wurde das Produkt mit dem blauen Engel ausgezeichnet? Warum der blaue Engel? Wenn ein Produkt mit dem blauen Engel ausgezeichnet wurde, ist es emissions- und schadstoffarm und für die Wohnumwelt gesundheitlich unbedenklich.
Schaut euch vor dem Kauf also auf jeden Fall die Verpackung und die Inhaltsstoffe genau an – und schlagt zur Not die Inhaltsstoffe noch mal nach. Es sollten keine Stoffe in der Farbe enthalten sein, die ausdünsten (wie bspw. Terpene).

Ich habe mich letztendlich für eine Farbe entschieden, die im Baumarkt zu finden war, mit dem blauen Engel ausgezeichnet ist und eine hohe Deckkraft besitzt. Ich habe einen Eimer Farbe mehr gekauft, als ich ausgerechnet habe – sicher ist sicher. Ich habe mich letztendlich für die Spritz-Frei Farbe von Alpina entschieden. Diese ist frei von Lösungs- und Konservierungsmitteln, hat eine hohe Deckkraft und man braucht laut Verpackung wenig bis gar keine Abdeckungen des Bodens, da sie, wie der Name schon sagt, nicht spritzt. Außerdem wollte ich die komplette Wohnung streichen, sprich, es wäre sonst sehr viel Material zum Abdecken der Böden angefallen – da klang spritzfrei auf jeden Fall sehr vielversprechend.
In Punkto Hilfsmittel war ich tatsächlich noch ganz gut ausgestattet und hatte noch ein paar Rollen und Pinsel von meiner letzten Renovierung meiner alten Wohnung übrig. Außerdem habe ich ein paar Dinge von meinen Helfer*innen leihen können, z.B. Teleskopstangen, Baustellenleuchten (die ist nicht unbedingt nötig zum streichen, hilft aber, wenn man weiß auf weiß streicht). Zum Abdecken des Bodens habe ich zwei Rollen Maler-Pappe gekauft und die Reste Klebeband und Folie verwendet, die ich noch im Keller gefunden habe.

Meine Erfahrungen
Ich war sehr gespannt, ob sich die Investition in teurere Farbe und dafür weniger Hilfsmittel gelohnt hat. Und ob meine Kriterien (wenig Zeitaufwand und kein fieser Chemiegeruch) erfüllt werden. Direkt beim Öffnen des Deckels hat man gemerkt: zweites Kriterium direkt erfüllt. Die Farbe roch relativ neutral, man hatte keinen beißenden Kopfschmerz-Geruch in der Nase, den ich noch von der billigen Farbe, mit der ich meine alte Wohnung gestrichen hatte, kannte. Theoretisch hätte man direkt Abends in der Wohnung schlafen können, da musste nichts ausdünsten oder verfliegen. Auch das Auftragen war wirklich leicht, die Farbe ist relativ zähflüssig und der Name der Farbe ist definitiv Programm: sie war nahezu komplett spritz frei. Keine weißen Sprenkel im Gesicht oder auf der Kleidung und auch der Boden blieb verhältnismäßig sauber (wenn man von den Tropfen, die durchs Kleckern entstanden sind, absieht. Aber das ist ja völlig normal.). Die Wohnung hatte zwei bunte Wände – die Küche war hellblau und mein jetziges Arbeitszimmer rosa. Die blaue Farbe brauchte nur einen Anstrich und hat komplett gedeckt, nur die rosa Wände mussten ein zweites Mal gestrichen werden. Für mich war damit auch das erste Kriterium erfüllt.

Mein Fazit
Das Streichen verlief unkompliziert und wir waren deutlich schneller fertig als ich gedacht hatte. Die Investition in hochwertigere, nachhaltigere Farbe hat sich definitiv gelohnt – es musste nur ein Zimmer mehrmals streichen gestrichen werden, und gruselige, dampfende Chemie Gerüche standen auch nicht auf dem Programm. Mir war wirklich wichtig, dass Nachhaltigkeit nicht nur bedeutet, dass die Farbe frei von Lösungs- und Konservierungsmitteln ist, sondern auch das drumherum nachhaltig ist. Es gibt Öko-Farben, bei denen bis zu sechs Anstriche nötig sind, damit die Farbe deckt. Das geht nicht nur ordentlich ins Geld, sondern kostet auch Zeit und Nerven. Deshalb war die Farbe aus dem Baumarkt, wo ich den Eimer, den ich nicht brauchte, problemlos wieder zurück bringen konnte, genau die richtige Wahl. Falls ich mich doch noch für eine farbige Wand entscheiden sollte, würde ich durchaus Kalt- oder Lehmfarben ausprobieren.

Was sind eure Erfahrungen zum Thema Streichen und Renovieren? Habt ihr auch schon mal mit Öko-Farben gestrichen? Teilt es gerne in den Kommentaren mit uns!
Eure Julia

*dieser Beitrag enthält keine Werbung, sondern nur persönliche Erfahrungen und Empfehlungen. Alle Produkte wurden selbst gekauft.

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