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Über das Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein

Am 20.09 fand der globale Klimastreik statt – und war damit der Auftakt der globalen Klimawoche. Die Klimastreik-Bewegung ‘Fridays for Future’ hat dazu aufgerufen, gemeinsam mit den Aktivist*innen dieser Schülerbewegung auf die Straße zu gehen – egal welchen Alters, welchen Berufsstandes, welchen Geschlechts oder Kultur. Unter dem Motto #allefürsklima sind allein in Deutschland über 1,4 Millionen Menschen in 575 Orten und Städten auf die Straßen gegangen. Die Themen Klima und Umweltschutz sind allerspätestens seitdem omnipräsent und nicht mehr aus den Nachrichten und Schlagzeilen wegzudenken. Ich bin bei der Demo in Mainz mit gelaufen – gemeinsam mit über 10.000 weiteren Menschen. Ich möchte euch Mut machen – Mut, laut zu werden und für die Dinge, die euch wichtig sind, eure Stimme zu erheben.

Plötzlich ist man nicht mehr allein
Ich versuche noch immer, dieses Gefühl in Worte zu fassen, dieses Gefühl, Teil von etwas wirklich Großem zu sein. Dieses Gefühl des Miteinander – völlig Fremde, die in friedlicher Atmosphäre so ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen haben. Fremde, die sich gegenseitig unterstützt und stark gemacht haben. Ich fand es unfassbar bewegend zu sehen, was alles möglich ist, was für Berge versetzt werden können, wenn Menschen gemeinsam anpacken. Es herrschten die unterschiedlichsten Emotionen an diesem Tag. Da waren Wut, Empörung, Fassungslosigkeit, Angst, Ungewissheit. Aber da waren auch Zuversicht, Hoffnung, Mut, Kampfgeist und der Glaube an das Gute. An diesem Tag war es so richtig da, diese Empfindung: ich bin nicht allein. Niemand ist mit seinen Bemühungen, seinen Bestrebungen für den Umweltschutz auf sich gestellt – da draußen sind noch so viele mehr, die genau die selben Ziele haben. Während des kompletten Streiks, während dieser 3 Stunden war meine Energie durchgehend oben – erst als ich wieder zu Hause war, habe ich die hämmernden Kopfschmerzen bemerkt, die von Lärm, wenig Trinken und diesem ganzen Drumherum kamen. Doch trotz dröhnendem Kopf hab ich mich auch nach der Demo noch unfassbar gut gefühlt: Wir haben hier heute wirklich was erreicht. Seit 30 Jahren war das die größte Demo in Mainz – und es war nicht die letzte.

Jeder kann etwas bewegen
Wir können mit unseren Handlungen sehr viel mehr bewegen, als wir manchmal glauben. Indem wir raus kommen aus unserem stillen Kämmerlein, laut werden, auf die Straße gehen und für die Werte die uns wichtig sind, unsere Stimme erheben. Ich glaube, dass das unfassbar wichtig ist – um aus einer privaten Angelegenheit eine öffentliche zu machen (die sie ja eigentlich eh schon ist). Diese Veränderungen im Privaten sind wichtig – meiner Meinung nach sollte es allerdings nicht dabei bleiben. Denn trotz all der medialen Aufmerksamkeit ist das komplette Thema noch immer viel zu klein. Es gibt viele Vorurteile (“Was soll ich als einzelner schon bewirken?”, “Nachhaltig leben ist viel zu teuer”, “Es muss sich was in der Politik verändern, alles andere bringt eh nichts”, …) und Umwelt- und Klimaschutz muss aus der grünen Blase raus, in der sich das Ganze befindet. Denn diese großen Demos, diese vielen Menschen die (nicht nur) am 20. September lautstark auf den Umweltschutz, auf den Klimawandel aufmerksam machen und die Missstände damit aufzeigen, ist ein Zeichen, was auch die Politik nicht übersehen konnte. Solche Aktionen bauen Druck auf – Druck auf die, die Gesetze verabschieden, die Entscheidungen treffen. Aber: solche Demos machen auch Menschen, die sich vielleicht vorher nie mit dem Thema auseinandergesetzt haben, genau darauf aufmerksam. Menschen, die zufällig auf dem Weg zur Arbeit an so einer Demo vorbei laufen und so damit in Berührung kommen. Meiner Meinung nach ist es eine der wichtigsten Aspekte an einem nachhaltigen Leben, das nicht nur für sich zu behalten, sondern seine Freunde, seine Familie und Bekannte aber eben auch völlig Fremde zu mehr Nachhaltigkeit zu inspirieren.

Andere durch Handeln inspirieren
Inspiration fängt im Kleinen an – und funktioniert meiner Meinung nach am besten durch Handlungen. In der Familie kann man beispielsweise gemeinsam Bücher lesen, Dokus schauen oder Kochabende veranstalten, zu Veranstaltungen gehen, um so das Gefühl innerhalb der Familie zu bestärken. Freunde und Bekannte erreicht man meiner Erfahrung nach am ehesten, indem man gar nicht über die Veränderungen spricht, die man in seinem Alltag macht. Denn: die werden sowieso Fragen stellen, wenn man sich plötzlich anders verhält, plötzlich andere Prioritäten hat.. Aber das schöne ist: Genau so schafft man Veränderungen. Denn so erreicht ihr, dass die Menschen von alleine ins Grübeln kommen – ganz einfach, indem ihr Fragen beantwortet. Wenn ihr anfangt, mit Leuten in Gespräche, in Diskussionen zu kommen, erreichen ihr viel mehr, als wenn ihr eine lange Moralpredigt im Gepäck habt. Viele meiner Freunde und Bekannte kamen irgendwann von sich aus auf mich zu und haben mich nach Tipps gefragt, haben Fragen gestellt, oder mir von ihren Erfolgen berichtet. Das Thema Nachhaltigkeit kann sehr schwierig sein und statt mit dem Vorschlaghammer loszulegen, hilft es einfach wie selbstverständlich seine eigene Trinkflasche mitzunehmen, und da nicht ein riesen Bramborium drum zu machen.
Einen Schritt weiter geht man, indem man genau dieses „wie selbstverständlich handeln“ in die Öffentlichkeit verlagert – beispielsweise beim Einkaufen. Die eigenen Beutel zum Einkaufen mitnehmen und, an der Kasse oder an der Theke am Markt nett nachfragen, ob die Produkte auch in die eigenen Beutel gepackt werden können – und so eure Mitmenschen inspirierenen. Auf dem Wochenmarkt in Mainz kaufe ich gerne Oliven beim Antipasti Mann meines Vertrauens. Da war es nie ein Problem, meine eigenen Gläser oder Dosen mitzunehmen. Ich kann mittlerweile nicht mehr sagen, wie oft Leute neben mir standen und Sachen wie „Oh man, das ist ja eine gute Idee, das mache ich das nächste Mal auch“ gesagt haben. Super oft kam tolles Feedback und neugierige Blicke zurück. Was für euch irgendwann zur Selbstverständlichkeit wird, ist für andere noch Neuland. So einfach kann inspirieren sein!

Für den ein oder anderen klingen Demonstrationen vielleicht abschreckend – Menschenmassen sind nicht für jeden was. Ich möchte euch aber Mut machen, es einfach mal auszuprobieren! Niemand muss mitten in der Menge laufen – an der Seite oder eher weiter hinten ist es meist deutlich ruhiger. Und gerade die Fridays For Future Demos sind immer sehr friedlich!
Probiert es aus, nutzt eure Stimme und setzt euch für das, was euch wichtig ist, ein! Fangt klein an, indem ihr grüne Inspiration in eurem Bekanntenkreis verteilt – und wenn ihr die Möglichkeit habt, geht zu nächsten Fridays For Future Demo!
In Mainz findet diese übrigens am 18.10.2019 ab dem Hauptbahnhof statt – und hier findet ihr eine Liste mit den nächsten Streikterminen in ganz Deutschland!

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