Nachhaltig aussortieren

Wer kennt das nicht – passend zur neuen Jahreszeit wird auch mal wieder der eigene Kleiderschrank durchforstet und ungetragenes, ungeliebtes und nicht (mehr) passendes wird aussortiert. Oft und gerne natürlich mit dem Hintergedanken, die verschmähten Teile durch neue, bessere, schönere Teile zu ersetzen. Ähnlich, vielleicht weniger an eine Jahreszeit gebunden, sieht es auch oft genug in anderen Bereichen der eigenen vier Wände aus: Ob Bücherregale, Küchenschränke, Kommoden, Schreibtischschubladen … irgendwann geht es allen mal an den Kragen. Und wie heißt es doch so schön: Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und was folgt dann? Neues kaufen und alte Lücken füllen? Sich nach ein paar Monaten wieder in der gleichen Situation befinden und erneut alles hervorkramen und wieder schauen: was darf bleiben, was darf gehen?
Wie entkommt man diesem Teufelskreis und wie ist es möglich, nachhaltig auszusortieren? Ein paar Tipps um dieses Vorhaben umzusetzen findet ihr im heutigen Artikel.

Eine Sache vorweg: Auch ich sortiere immer noch in regelmäßigen Abständen aus. Schaue mit Adlerblick in die Regale und krame Schrankhüter hervor um ihnen adieu zu sagen. Aber: Wesentlich seltener als früher und nicht mehr in dem Ausmaß, dass ich ganze Berge an Kleidung und Büchern zum nächsten Secondhand Shop schleppe. Nach einigen großen Ausmistaktionen (die natürlich auch wichtig sind, schließlich muss man ja irgendwo irgendwann mal anfangen – aber, will ich mich alle halbe Jahre durch die komplette Wohnung durchforsten?) stehen mittlerweile ab und zu noch wenige und kleinere Phasen des Aussortierens bei mir an. Das hängt auch damit zusammen, dass jede Neu-(oder Gebraucht)anschaffung nicht nur einmal sondern mehrmals durchdacht wird, um Fehl- und Spontankäufe zu vermeiden. Und damit kommen wir auch schon zum ersten Tipp:

Think twice before you buy
Jeder kennt die Verlockungen von Angeboten, Sale und Schnäppchen Preisen und ebenso das Gefühl, was danach oft nicht lange auf sich warten lässt: Man, habe ich das jetzt wirklich gebraucht oder nur gekauft, weil es im Angebot war? Leider ist es ganz oft eher der zweite Grund, der dafür sorgt dass ein Produkt im Einkaufwagen landet. Ich habe es mir deshalb zur Regel gemacht, mir einige Fragen zu stellen, bevor ich etwas kaufe um genau das zu vermeiden:
– Brauche ich dieses Produkt wirklich? (wobei ‚brauchen‘ ja auch relativ ist)
– Macht mich dieses Produkt glücklich?
– Wie oft werde ich es benutzen?
– Ist es gut verarbeitet, hochwertig produziert? Sprich: Ist es das Geld wert?
– Besitze ich schon etwas ähnliches, was ich möglicherweise umfunktionieren könnte?
– Gefällt es mir zu 100% oder stört mich etwas daran? Farbe, Form, Haptik?

Wenn ich all diese Fragen mit ja beantworten kann, dann ist es möglicherweise ein guter Kandidat. Besonders wenn es sich um hochpreisige Sachen handelt wie neue Schuhe oder Möbel sollte man trotzdem einen Moment innehalten bevor es zur (virtuellen) Kasse geht. Denn eine Sache behalte ich auch immer im Hinterkopf: Ich habe sehr lange und hart für dieses Geld gearbeitet. Ich habe Zeit, Kraft und Energie investiert, um genau diese Summe Geld in den Händen zu halten. Soll ich es wirklich für ein Produkt ausgeben, welches mir nur zu 80% gefällt? Welches möglicherweise in drei Monaten wieder bei Ebay landet? Der kurze Moment des Innehaltens hat mich in den letzten Jahren schon vor so manchem Fehlkauf bewahrt – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber: Fehlkäufe sind bei mir wirklich seltener geworden und dadurch natürlich auch weniger Dinge, die ich bei mir zu Hause aussortieren kann.

Warum überhaupt aussortieren?
Diese Frage klingt vielleicht für den ein oder anderen überflüssig, kann aber auch dabei helfen, dass das Vorhaben effektiv und nachhaltig auszusortieren auch gelingt. Denn: warum will ich denn aussortieren? Brauche ich mehr Platz oder will ich ein bisschen Geld dazu verdienen? Will ich um des Aussortierenswillen aussortieren? Oder will ich ungenutzte Gegenstände loswerden? Habe ich das Gefühl, dass mich die Sachen erdrücken oder hinterfrage ich derzeit meinen eigenen Konsum? Es gibt viele unterschiedliche Gründe, warum man bei sich zu Hause aussortieren, durchräumen und ausmisten möchte. Und wenn man sich im Klaren darüber ist, was die Beweggründe dahinter sind, geht man auch völlig anders an das Vorgehen heran – und hat automatisch auch ein ganz anderes Ziel vor Augen. Nimm dir also zuerst ein bisschen Zeit und mache dir dein Ziel bewusst.
Bei mir gibt es mehrere Gründe, warum ich aussortiere. Zum einen hat es mit meinem veränderten Konsumverhalten zu tun – ich kaufe weniger und dafür bewusster. Damit einher geht für mich auch die Tatsache, dass ich mich in meinen eigenen vier Wänden nur noch mit Dingen umgeben möchte, die mich glücklich machen, die ich gerne besitze und mir eine Freude bereiten. Dabei spielt die Frage, wie oft ich die Dinge benutze natürlich auch eine Rolle; aber nicht ausschließlich. Wenn ich bspw. ein Kleid zwar nicht oft trage, ich damit aber tolle Erinnerungen verbinde und es schlicht und ergreifend nicht weggeben mag, dann ist das vollkommen in Ordnung. Aber natürlich frage ich mich auch oft: Brauche ich wirklich 10 verschiedene Teelichtgläser? Oder reichen nur wenige, die ich dafür aber sehr gerne mag? Zum Thema Krimskrams und Deko habe ich übrigens auch schon mal einen Artikel geschrieben – den findet ihr hier. Es kann also mehrere Beweggründe geben, sich seinen eigenen Besitz mal genauer anzuschauen – und ebenso unterschiedlich kann am Ende das Ergebnis aussehen.

Beim Aussortieren: Einmal tief durchatmen. Oder auch zweimal.
Wenn jetzt eine neue Runde aussortieren ansteht und man voller Elan z.B. vor dem Kleiderschrank steht gibt es meiner Meinung nach weder richtig noch falsch, wie man vorgehen kann – jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Ich höre immer auf mein Bauchgefühl ob mir das Teil noch gefällt, ob ich es noch regelmäßig benutze oder ob es zum Staubfänger geworden ist. Es gibt Sachen da weiß ich direkt, dass ich sie oft und gerne anziehe oder dass sie definitiv aussortiert werden. Tricky wird es an der Stelle, wenn man sich unsicher ist: Ab und zu trage ich das doch schon, oder? Aber das war doch so teuer! Das war ein Geschenk von meiner besten Freundin, das kann ich doch nicht einfach weggeben, oder? Brauche ich das nicht evtl. für diesen und jenen Anlass? Zumal es ja auch nicht nachhaltig ist, einfach alles Mögliche aus einer Laune heraus auszusortieren und irgendwann festzustellen: Ach Mist, das hätte ich jetzt doch noch gebraucht – um dann am Ende wieder was Neues zu kaufen. Auch hier ein paar Tipps:

– Wer sich bei Kleidung unsicher ist, kann die „vielleicht“ Teile entweder erst mal in eine Kiste legen und diese im Keller verstauen. Wenn man die Sachen nach beispielsweise 2 Monaten immer noch nicht vermisst ist es wohl an der Zeit, endgültig Lebewohl zu sagen. Oder man hängt es auf einen Bügel in den Schrank und hängt diesen verkehrt herum auf – sobald man das Teil angezogen hat, darf man den Bügel wieder richtig herum hängen. Wichtig ist natürlich bei Kleidung zwischen Alltagskleidung und eher schickeren Sachen zu unterscheiden: Den gemütlichen grauen Winterpullover trage ich vermutlich häufiger als das schwarze elegante Etuikleid – das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass ich Zweiteres direkt aussortieren muss. Es gibt im Alltag vielleicht eher weniger Anlässe dafür, ich bin aber froh, wenn ich zu einer Taufe eingeladen wurde und nicht direkt ein neues Kleid brauche. Ich sortiere Sommersachen auch grundsätzlich nur im (nahenden) Sommer und ebenso auch die Wintersachen durch: Kann ich im November beurteilen ob ich das blaue Sommerkleid im Juni noch tragen werde? Vermutlich ist diese Frage im Juni leichter zu beantworten.
– Genau so kann man auch in vielen anderen Bereichen verfahren: wenn ich mir unsicher bin, ob ich wirklich 20 Kaffeetassen brauche oder vielleicht doch nur die Hälfte, kann ich diese erst mal in einem Karton verstauen und eine gewisse Zeit abwarten. Wenn ich merke, dass mir die 10 Kaffeetassen fehlen, stelle ich sie einfach wieder zurück in den Schrank. Gebt den Sachen lieber etwas Zeit, wenn ihr euch unsicher seid.
– Eine andere Möglichkeit ist auch, sich bei Wackelkandidaten eine Art Liste (ob auf Papier oder nur im Kopf ist eigentlich egal) der Einsatzmöglichkeiten zu erstellen – wie oft benutze ich den Reiskocher, die Espressotassen oder die Sektgläser? Lohnt es sich für mich, diese für spezielle Anlässe aufzubewahren oder gibt es andere Gegenstände, die ich dafür genauso gut verwenden könnte?
– Gerade bei Kleidung aber auch bei Erinnerungsstücken geht es für mich viel über die Gefühlsebene – das klingt leicht esoterisch angehaucht, ist aber meiner Meinung nach ein guter Weg um sich darüber klar zu werden, ob man das Teil wirklich noch behalten möchte. Hierzu eine kleine Geschichte: Ich habe mal einen dunkelgrauen Jeansrock besessen – optisch war er perfekt. Super zu kombinieren, die Länge war gut und er hat mir echt gefallen. Blöderweise war das Material nicht so der Bringer und bei jedem Schritt ist der Rock hochgerutscht und hat im gleichen Zug die Strumpfhose runtergezogen. Ich habe also alle zwei Schritte daran rumzuppeln müssen, war immer genervt und unglücklich wenn ich diesen Rock anhatte. Das fällt mir natürlich nicht auf, wenn ich den Rock nur aus dem Schrank hole und in den Händen halte. Deshalb: probiert die Sachen an, schaut ob euch Schnitt und Farbe gefallen, ob die Sachen bequem sind, ob ihr dran rumzuppel müsst, ob ihr glücklich seid wenn ihr es tragt oder es nur aus einer Art Pflichtgefühl (aber der war doch so teuer, ich habe ihn geschenkt bekommen, hübsch ist er doch eigentlich, dann habe ich ja gar keinen Rock mehr im Schrank) behaltet.
Auch Erinnerungsstücke hinterfrage ich nach diesen Kriterien: Macht es mich glücklich oder traurig? Stelle ich mir das Teil gerne hin oder greift auch hier dieses Pflichtgefühl? Verbinde ich damit positive oder negative Erinnerungen?

Muss es direkt was Neues sein?
Manchmal lohnt es sich, Dingen eine zweite Chance zu geben. Das T-Shirt passt nicht mehr aber eigentlich gefällt es dir sehr gut? Wie wäre es wenn du daraus einen Beutel nähst oder kleine Säckchen Obst und Gemüse? Upcycling ist hier das Stichwort. Auch Geschirr, Bücher oder andere Haushaltsgegenstände können oft sehr leicht in was Neues verwandelt werden – so bekommen die Sachen eine neue Chance und man kann etwas „herstellen“, was man sich sonst möglicherweise neu gekauft hätte. Bei Kleidung empfehle ich immer gerne den Gang zum Schneider. Besondern wenn es nur Kleinigkeiten sind wie: Der Rock ist zu lang, die Jackenärmel zu weit, die Schulterpolster zu breit, … kann man mit nur wenig Geld ein neues Lieblingsstück draus zaubern.

Auch wenn ich hin und wieder mal was aussortiere, so ist es bedeutend weniger geworden als noch vor ein oder zwei Jahren. Mittlerweile ist es vor allem Kleinkram und Nippes oder auch Bücher, die ab und zu dann doch noch gehen müssen. Aber keine Berge und Türme an Gegenständen und Kleidung mehr – nicht zuletzt, weil auch einfach nicht mehr so viel Neues bei mir einzieht.
Ich hoffe, dass euch die Tipps weiterhelfen und wünsche viel Spaß und Erfolg beim Aussortieren!
Eure Julia

Ein Kommentar zu „Nachhaltig aussortieren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s