Lose, unverpackt, plastikfrei: müllfrei einkaufen

Besonders der erste unverpackte Einkauf kann einen vor Herausforderungen stellen: Was für Gefäße nehme ich mit? Wie viele brauche ich? Worauf muss ich generell achten? Im folgenden Beitrag zeige ich euch, wie ihr euren ersten unverpackt Einkauf gestalten könnt.

Die Wahl des Gefäßes
Hierbei gibt es vermutlich weder richtig noch falsch: was genau ihr mitnehmt, ist eigentlich ganz euch überlassen. Hier die gängigsten Möglichkeiten:
– (Weck-)Gläser
– Plastikbrotdosen
– Edelstahldosen
– Gemüsenetze
– Baumwollbeutel
– eigentlich alle lebensmittelgeeigneten Dosen, die ihr euch vorstellen könnt

Im Prinzip ist es egal, was ihr davon mitnehmt. Auch wenn häufig das Gerücht rum geht, man dürfe keine Plastikdosen in einem unverpackt Laden benutzen, so ist das (in der Regel) Unsinn. Denn wenn ihr schon Dosen habt, dann benutzt sie doch einfach weiter! Das ist die nachhaltigste Variante. Hier im unverpackt Laden vor Ort kann jeder das Gefäß mitnehmen, was er möchte. Auch kreative Ideen, oder Upcycling Gefäße werden gerne gesehen. Du hast noch eine verschließbare Eisverpackung vom letzten Schokoeis? Benutze sie doch einfach für den Transport deines Müslis! Jede Verpackung die weiter verwendet wird und nicht direkt im Müll landet ist doch super! Vor allem Gläser und Glasflaschen, in denen vorher andere Lebensmittel waren, kann man super auswaschen und danach zum unverpackten Einkaufen weiter verwenden.
Das wichtigste bei der Wahl des Gefäßes ist eigentlich nur, dass das Gefäß zu dem passt, was du einfüllen willst. Also auslaufsichere Gläser für Flüssigkeiten und ich sag mal „staubige“ oder klebrige Lebensmittel wie Mehl, Gewürze oder Haferflocken oder Datteln etc. Ansonsten kaufe ich mittlerweile das Meiste in Beuteln ein, da man so einfach weniger Gewicht schleppen muss. Diese kann man ja hinterher einfach waschen und schon sind sie wieder wie neu. Ansonsten sollten sie einfach nur lebensmittelgeeignet und sauber sein. Dann kann es auch schon losgehen!

Der Transport
Je nachdem, für welche Gefäße ihr euch entscheidet, solltet ihr euch im Klaren sein, dass so ein Einkauf am Ende ganz schön viel wiegen kann. Deshalb wirklich so viele leichte Gefäße wie möglich mitnehmen, wenn mal ein größerer Einkauf ansteht. Wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, ist das natürlich noch mal ein bisschen was anderes. Ich bin immer zu Fuß unterwegs und verstaue den Einkauf am liebsten im Rucksack und/oder größeren Jutebeuteln und Einkaufstaschen. Das Gewicht ist so besser verlagert und da mein Weg nicht soo weit zum Laden ist, kann ich auch mal etwas schwerere Sachen so transportieren. Ähnlich sieht es vermutlich aus, wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist. Wer mit dem Rad unterwegs ist, dem kann ich nur einen großen Rucksack empfehlen, und je nachdem ob man einen Korb/Gepäckträger hat, noch Jutebeutel.

Die Einkaufsliste
Wie ich in meinem Artikel über meine Erfahrungen nach zwei Jahren Müllreduzieren ja schon angedeutet habe, so ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, sich richtig vorzubereiten. Eine Liste mit Dingen zu schreiben die fehlen, um so auch die entsprechenden Gefäße einzupacken. Ohne eigene Gläser ist es in einigen Läden auch möglich einzukaufen (hier gibt es bspw. eine große Kiste mit Spendengläsern) aber am nachhaltigsten ist es natürlich, die eigenen Gläser mitzunehmen. Vor allem weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass das passende Glas auch in der Spendenkiste vorhanden ist. Zudem kauft man so viel bewusster ein und es wandert auch nur das in den Einkaufskorb, was man wirklich benötigt. Ich nehme immer altes Schmierpapier als Einkaufszettel, da ich die Sachen gerne durchstreiche und weniger vergesse, wenn als wenn ich nur eine Notizliste auf dem Handy speichere. Das ist natürlich die nachhaltigere Variante, da man so keinen zusätzlichen Papiermüll hat. Aber ich denke, das muss jeder für sich entscheiden.

Der Einkauf
Oft kann man das Sortiment des unverpackt Ladens online nachgucken – bevor du dich also auf den Weg machst, schau doch einfach mal nach, was dieser so im Sortiment hat. Das hilft vielleicht auch bei der Wahl der Gefäße etc.
Wenn du das erste Mal im unverpackt Laden bist, kann ich nur empfehlen: Frag einen Verkäufer, wie genau das in dem Laden abläuft. Denn die unverpackt Läden in Deutschland sind keine Kette sondern alles einzelne Betriebe, weshalb der Ablauf möglicherweise auch einfach ein bisschen unterschiedlich ist. Und wenn du noch nie in einem unverpackt Laden warst, hast du natürlich keinen Vergleich. Hier ein paar Fragen, die zu Anfang evtl. geklärt werden können:
– wie funktioniert die Waage? Kommt ein Sticker raus oder schreibe ich das Taragewicht selbst auf?
– gibt es Einfüllhilfen wie Trichter oder Messbecher?
– gibt es Produkte, wo man zum Abfüllen einen Trick 17 braucht? Weil die schneller kleckern oder so?

Bevor du also richtig loslegst, wiege alle deine leeren Behältnisse inklusive Deckel. Denn das Leergewicht (auch Tara oder Taragewicht) wird am Ende an der Kasse abgezogen – damit du tatsächlich auch nur den Inhalt bezahlst. Deshalb: Wiegen nicht vergessen! Wenn du dir wegen irgendwas unsicher bist, frag lieber vorher nach. Dann kann es eigentlich schon losgehen.
Ansonsten gilt: Schau dich in Ruhe um, nimm dir Zeit. Oft gibt es viel zu entdecken, kleine Regale mit Seifen oder Aufstrichen, Produkte die du vielleicht gar nicht kennst oder mit denen du nichts anzufangen weißt. Wenn du dir unsicher bist, füll dir erst mal eine kleine Menge ab. Dann kannst du es zu Hause ausprobieren und musst nicht gleich so viel wegschmeißen, falls es dir doch nicht schmeckt oder gefällt. Einen richtigen ‚Guide‘ fürs unverpackt Einkaufen kann ich dir leider auch nicht bieten – jeder hat da so seine eigene Routine denke ich. Aber ich kann dir sagen, was ich persönlich sehr praktisch finde: Ich hole anfangs alle meine leeren Gläser und Beutel aus meinem Rucksack und stelle sie in einen Korb. So habe ich einen guten Überblick und vergesse auch nichts. Den Korb lasse ich dann meist in einer Ecke stehen, wo er nicht so stört (ich bin aber auch seit über zwei Jahren Stammkundin und hab das einfach mal so gemacht. Je nach Laden kann es natürlich sein, dass das nicht so gern gesehen wird oder so). Dann nehme ich mir meine Liste vor und geh sie nach und nach durch und so füllen sich auch Stück für Stück die Gläser. Dann nur noch ab zur Kasse.
Und das wars auch schon! Dann gilt es nur noch, den Einkauf nach Hause zu transportieren und ihn in der Küche/im Bad zu verstauen.

P.S. Eine Liste mit unverpackt Läden in Deutschland findest du z.B. hier.

Ich hoffe, dieser kleine Überblick hilft dir ein bisschen, dich auf deinen (ersten) unverpackten Einkauf vorzubereiten. Hast du noch weitere Tipps? Dann freue ich mich, wenn du sie in den Kommentaren mit uns teilst!
Eure Julia