‚The big four‘ oder auch: low waste for beginners

Es wird sehr schnell vorausgesetzt, dass Tipps wie: ‚bring deinen Jutebeutel mit‘, alt und überall bekannt sind – das mag auf einen Teil der Leute zutreffen, aber vermutlich nicht auf alle. Denn jeder, der sich mit dem Thema auseinandersetzt, fängt irgendwann mal bei null an. Es gibt vier Produkte, die besonders im Bereich to go Müll einen sehr großen Anteil haben und deshalb auch „the big four“ genannt werden. Der (Kaffee) to go Becher, die Plastikflasche, der Strohhalm und die Plastiktüte. Diese besonders unterwegs zu vermeiden ist eine super Sache um seinen Plastikverbrauch enorm zu reduzieren. Und deshalb habe ich heute für euch eine Tippsammlung, bestehend aus vier Anfänger Tipps, inklusive Antworten auf die Frage: Hä, aber warum denn? zusammengestellt

The good old Jutebeutel
Ja ok, dieser Tipp ist wirklich nicht sehr neu. Das ändert nichts daran, dass er verdammt wichtig ist! Also kurz und knackig zusammengefasst: Egal ob Kleidung shoppen, Lebensmittel einkaufen, Loses Obst und Gemüse einkaufen – der eigene (Jute)beutel ist hier das A und O. Warum das Ganze? Die Plastiktüte ist zum absoluten Inbegriff der modernen Konsumgesellschaft geworden. Marken verbreiten darüber Werbung, mit der Tüte aus dem ‚richtigen‘ Geschäft zeigt man, dass man genug Geld hat um z.B. teure Klamotten einer angesagten Marke zu kaufen. Also dreht sich hier alles um Konsum, Konsum, Konsum. Aber egal um welche Tüte es sich handelt, auch die dünnen Tüten um Gemüse im Supermarkt einzupacken haben nur eine kurze Lebensdauer. In der Regel werden sie nur einmal benutzt und dann entsorgt. Und damit eine große Masse an der endlichen Ressource Erdöl verschwendet. Es gibt natürlich auch Mehrwegtaschen, auch solche aus Plastik, die vom Material her dicker sind und mehrfach verwendet werden können. Dabei gilt: Mehrweg ist nicht gleich Mehrweg. Natürlich sind diese Tüten immer die bessere Wahl, allerdings kann ich jedem nur empfehlen, sich einfach mit ein paar Jutebeuteln einzudecken (wobei die meisten ja schon Jutebeutel zu Hause haben nehme ich einfach mal an). Denn diese kann man, im Gegensatz zur Plastik Mehrweg Tüte, auch ganz einfach waschen und damit nahezu endlos wiederverwenden. Allerdings gilt hier: Baumwolljutebeutel sind tatsächlich nur dann nachhaltig, wenn sie auch wirklich oft wieder verwendet werden. Denn durch den hohen Wasserverbrauch der Baumwollproduktion hat ein einfach genutzter Baumwollbeutel eine wirklich schlechte Ökobilanz. Deshalb müssen diese wirklich häufig verwendet werden (das gilt in ähnlicher Form übrigens auch für Papiertüten). Ich kann daher nur empfehlen, eine gewisse Anzahl zu Hause zu haben (für ein bis zwei Personen sollten so 5-6 Jutebeutel zum Einkaufen (wenn man bedenkt, dass diese hin und wieder gewaschen werden etc.) völlig ausreichen) und einige einfach in den Rucksack und in Handtaschen zu platzieren. So hat man immer einen dabei! Ein guter Trick ist auch, einen Jutebeutel an die Haustür oder zum Schlüssel zu hängen. Da muss man ja schließlich sowieso dran vorbei, wenn man los will.
Ein toller Fakt noch am Rande: Seit der Einzelhandel größtenteils Geld für Plastiktüten an den Kassen verlangt, hat sich der Verbrauch in Deutschland halbiert: 2,4 Milliarden Plastiktüten wurden 2017 verbraucht. Meiner Meinung nach ist das immer noch viel zu viel, aber immerhin ist es ein Schritt in die richtige Richtung! (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/plastiktueten-deutschland-1.4005705)

Der Kaffee to go Becher
Ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann ist es passiert: Es wurde verdammt cool und ein must have mit einem to go Becher in den Straßen herumzulaufen. Becher, soweit das Auge reicht. Vor allem an Bahnhöfen und in Innenstädten fällt durch die Dichte von Cafés und Snack Ständen die Masse an Bechern sehr unangenehm auf. Hier der unangenehme Fakt zur unangenehm sichtbaren Tatsache: Pro Stunde werde in Deutschland ca. 320.000 Kaffee to go Becher verbraucht. Das sind hochgerechnet fast drei Milliarden Stück pro Jahr. Und das nur in Deutschland. Dass das nicht gut für die Umwelt sein kann, sollte eigentlich jedem klar sein. Denn nicht nur, dass für jeden Becher (der sich u.a. aus Pappe und Kunststoff zusammensetzt) jede Menge Rohstoffe (Holz für das Papier und Erdöl für den Kunststoff) verbraucht werden sondern dieser sich durch den Materialmix nur sehr schwer recyceln lässt – mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass viele dieser Becher leider sehr oft in der Natur landen (Quelle: https://www.duh.de/becherheld-problem/).
Was also tun? Die einfachste Lösung ist natürlich den Kaffee to stay genießen. Richtig oldschool, aber am nachhaltigsten. Sich mal 10 Minuten Auszeit gönnen, ein bisschen Kraft tanken. Oder aber man benutzt einen Mehrweg-to-go Becher. Diesen kann man sich entweder selbst kaufen (hierbei gibt es diverse Hersteller und auch unterschiedliche Materialien und Ausführungen) oder das bereits in vielen Städten eingeführte Becher-Pfand System nutzen. Gerade in Großstädten ist es bereits verbreitet und man kann in teilnehmenden Cafés gegen eine kleine Leihgebühr einen Mehrweg Becher leihen und diesen einfach beim nächsten Café das daran teilnimmt wieder abgeben. Finde ich beides eine super Idee, ich bin meistens mit meinem eigenen Kaffebecher unterwegs. Leider habe ich schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass dieser abgelehnt wurde – egal wie sauber oder neu der Becher war. Ich probier es natürlich weiter, aber finde als Alternative das Pfandsystem (gibt es übrigens auch hier in Mainz) sehr gut.

Die Plastikflasche
Wer meinen Blog schon länger verfolgt bzw. mir auf Instagram folgt der weiß, dass ich mich privat für die Refill Initiative einsetze und mich für die Reduzierung von Plastikflaschen stark mache. Ich trinke ausschließlich Leitungswasser und kaufe mir Säfte in Glasflaschen – Wasser aus Plastikflaschen kommt mir nicht mehr ins Haus (falls ihr weitere gute Gründe für Leitungswasser braucht – hier habe ich bereits einige Gedanken dazu formuliert). In Deutschland werden stündlich 2 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht. Eine unfassbare Zahl. Und hierbei gilt genau das gleiche wie bei der Plastiktüte: Dafür wird immer wieder die endliche Ressource Erdöl verbraucht. Leider werden nämlich diese riesigen Massen an Plastikflaschen nur zum Teil recycelt, vieles wird verbrannt oder achtlos in die Natur geworfen. Neben dieser Tatsache kommt hinzu, dass oft genug das abgefüllte Wasser aus den Supermärkten bei Tests durchfallen und Stoffe darin gefunden werden, die in Trinkwasser nichts zu suchen haben (vgl. hierzu https://utopia.de/mineralwasser-test-stiftung-warentest-kohlensaeure-55853/). Leitungswasser ist nicht nur um Längen günstiger (im Durchschnitt kostet ein Liter Leitungswasser 0,002 €) sondern meiner Meinung auch extrem viel praktischer: Man muss keine schweren Getränkekisten oder Sechserträger mehr schleppen. Bei Sprudelbedarf kann man sich einfach einen Wassersprudler kaufen (und auch hier sind die Kostenunterschiede enorm: Mit einem CO2-Zylinder der zwischen acht und zehn Euro kostet können 50-60 Liter Wasser gesprudelt werden). Und auch unterwegs kann man ganz leicht auf die Plastikflasche verzichten: mit der eigenen Trinkflasche bewaffnet (dabei gilt auch hier: es gibt diverse Formen, Farben, Marken, Ausführungen, Materialien …) ist es ganz leicht, unterwegs Müll zu vermeiden. Und dank der Refill Initiative kann man in über 60 Städten hier in Deutschland in Geschäften und Cafés seine Trinkflasche mit Leitungswasser auffüllen und ganz leicht Müll sparen. Aber auch, falls es diese Aktion in eurer Stadt noch nicht gibt kann ich euch nur den Tipp geben, trotzdem die Trinkflasche unterwegs dabei zu haben. Es kann ziemliche Überwindung kosten, in einem Café nach Wasser zu fragen – aber mehr als nein sagen können sie ja nicht oder? Und vielleicht kann man ja so jemanden zum Nachdenken anregen!

No straw please!
Und last but not least – der Strohhalm. Dieser hat bisher noch nicht so viel Erwähnung auf meinem Blog gefunden, das sollte sich also schleunigst ändern. Denn in Deutschland werden jährlich ca. 40 Milliarden dieser Plastikstrohhalme verbraucht – für mich der Inbegriff des Einwegplastiks (Quelle: http://www.taz.de/!5489362/). Wenn man sich Bilder von verschmutzten Stränden anguckt dann zeigt sich sehr schnell, dass wohl ein Großteil der Strohhalme nicht seinen Weg in die gelbe Tonne findet. Vor ein paar Jahren ist ein Video ziemlich viral gegangen, in dem die Ausmaße dieses scheinbar nur kleinen Müllverursachers deutlich wurde: Es zeigt eine Schildkröte, der ein Plastikstrohhalm aus der Nase gezogen werden muss, da sich dieser darin verhakt und das Tier nicht mehr richtig atmen kann (für alle mit starken Nerven: Hier könnt ihr das Video angucken. Aber ich sags direkt, es ist wirklich nicht so leicht zu ertragen). Das verrückte ist: Eigentlich braucht man (in der Regel*) gar keine Strohhalme. Wenn ich mir eine Limonade bestelle und diese in einer Glasflasche kommt – warum einen Strohhalm mit dazu stecken? Ich habe mir mittlerweile angewöhnt bei jeder Getränkebestellung im Restaurant oder Café den Strohhalm bewusst mit den Worten „Ohne Strohhalm bitte“ abzubestellen. Und das tatsächlich bei jedem Getränk (bis auf Kaffee). Denn ich habe auch schon Getränke mit Strohhalm serviert bekommen, wo dies wirklich mehr als überflüssig war. Die Blicke oder Nachfragen waren sehr oft sehr unangenehm – um dem zu entgehen habe ich mir Edelstahlstrohalme zugelegt, die ich häufig dabei habe – die Tatsache, dass man nicht gänzlich auf den Strohhalm verzichten möchte sondern selbst was dabei hat, wird weniger merkwürdig beäugt. Schön finde ich auch, wenn auf den Tischen oder am Tresen die Strohhalme extra stehen – und man sich diese bei Bedarf nehmen kann. Würde es diese Möglichkeit häufiger geben, dann würden generell weniger Strohhalme verwendet werden glaube ich.
Zudem ist momentan ein ziemlich Umschwung in diesem Bereich festzustellen: Zwei große Supermarktketten nehmen nun die Plastikstrohhalme aus dem Sortiment und ersetzen diese durch nachhaltigere Varianten wie bspw. Papier oder Edelstahl. (Quelle: https://utopia.de/rewe-penny-plastik-strohhalm-95993/). Ich finde diese Entwicklung wirklich toll und hoffe, dass die Menschen dadurch zum Nachdenken angeregt werden – brauche ich wirklich einen Strohhalm zum Trinken oder dient er nur einem dekorativen Zweck?
*Die Ausnahme macht die Regel. Denn: es kann sehr wohl sinnige Gründe für Strohhalme geben. Wie beispielsweise Strohhalme als Trinkhilfen für Menschen mit Behinderungen, Krankheiten oder (körperlichen) Einschränkungen. An solchen Punkten haben Strohhalme natürlich ihre völlige Berechtigung.

Ich hoffe die Tipps und das Hintergrundwissen sind hilfreich für euch! Schreibt mir eure Erfahrungen damit gerne, ich freu mich über Nachrichten!
Eure Julia

2 Kommentare zu „‚The big four‘ oder auch: low waste for beginners

  1. hey Julia,
    zum Thema Trinkhalme hab ich kürzlich gehört, das es jemanden gibt, der die Dinger aus
    Apfeltrester herstellt.
    Hör dich mal um.
    Überhaupt, dies Jahr ist ja wieder mit einer über durchschnittlichen Apfelernte zu rechnen. Da fällt natürlich beim keltern wieder tonnenweise Trester an. Das Meiste wird kompostiet.
    Ich habe vor 2 Jahren ein Notitzbuch geschenkt bekommen das bestand aus Papier vom Apfeltrester bin leider nicht durchgestiegen wer das produziert.
    Vielleicht bekommst Du was raus.
    Einzig ap@peel war aufgeführt und made in Italy.
    Gute Zeit und Gott befohlen
    THOMAS

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