It’s time for a fashion revolution

*unbezahlte Werbung für eine super wichtige Sache.
Am 24. April 2013 ist in Bangladesh die Textilfabrik Rana Plaza eingestürzt. Dabei starben 1138 Menschen und über 2000 weitere wurden verletzt. In dieser Fabrik wurde auch Kleidung produziert, welche wir hier in Deutschland in den großen namhaften Bekleidungsgeschäften der sogenannten ‚Fast Fashion Industrie‘ kaufen können. An diesem Tag gründete sich auch die Fashion Revolution – eine Organisation welche sich für mehr Transparenz und bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzt. Seit dem findet jährlich um den 24. April die Fashion Revolution Week statt – eine Woche der geballten Aufmerksamkeit auf allen social media Kanälen, in der Konsument*innen die Unternehmen fragen: Who made my clothes?

Jede*r kann sich daran beteiligen und es ist auch unfassbar wichtig, dass diese Frage gestellt wird. Zum einen um die Unternehmen zu fragen, um ihnen zu zeigen dass ich wissen möchte, wer dieses Tshirt genäht hat und dass die Arbeiter*innen einen angemessenen Lohn erhalten. Aus welchen Materialien es besteht und wo diese her kommen. Die Unternehmen direkt zu fragen zeigt, dass ich mehr Transparenz fordere, dass mir die Arbeitsbedingungen der Näher*innen und Produzent*innen der Kleidung nicht egal sind. Dass mir die Zahl von 1138 Toten durch Mark und Bein geht.
Aber ich finde diese Aktion auch so wichtig, um sich selbst zu hinterfragen. Woher kommt die Kleidung die ich trage? Wer hat sie gemacht? Warum war dieses Kleid so günstig? Gibt es Alternativen zur Fast Fashion? Wie kann ich mich daran beteiligen, dass sich die Arbeitsbedingungen ändern?
Im Zuge der Auseinandersetzung mit diesem Thema habe ich festgestellt, dass sich meine Perspektive verändert hat. Natürlich ist es im ersten Augenblick schön, ein günstiges Kleidungsstück gekauft zu haben, man hat schließlich nur wenig Geld ausgegeben, – aber um welchen Preis?
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Am Anfang war es auch für mich nicht so leicht, mich von Fast Fashion wegzubewegen. Schließlich war es doch so selbstverständlich in die großen Geschäfte zu gehen und für wenig Geld sehr viel einzukaufen. Ob ich das Teil nun gebraucht habe oder nicht. Erst mal gar nicht solche Geschäfte aufzusuchen war für mich unfassbar hilfreich. Die „Versuchung“ war gar nicht erst da und so konnte ich mich in Ruhe mit dem Thema auseinandersetzen. Ein Bild, was mir immer wieder geholfen hat und es so gut auf den Punkt bringt ist folgendes: Jeder Kassenbon ist ein Stimmzettel. Mit jeder Ausgabe die man in einem Geschäft tätigt, entscheidet man sich bewusst dafür, mit seinem Geld dieses Unternehmen und auch die Werte die es vertritt, zu unterstützen. Und ebenso wie ich mich vor einer politischen Wahl informiere, so informiere ich mich jetzt auch über das Geschäft, in dem ich meine Kleidung kaufen möchte. Welche Marken möchte ich mit meinem Geld unterstützen?

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Das Zitat von Andy Warhol finde ich sehr passend. Es ist, wie mit so vielen Dingen, einfach eine Kopfsache. Ein Abwägen für sich selbst. Mit der Entscheidung für Faire Mode hat sich mein generelles Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung verändert. Anstatt mehrmals im Monat in die Stadt zu gehen oder online zu shoppen kaufe ich wesentlich seltener – und vor allem mit Bedacht. Natürlich kann ich mir keine fünf neuen Tshirts jeden Monat kaufen die jeweils 30 Euro kosten – und genau so soll es sein. Ich kaufe lieber weniger und dafür nur die Teile die mir wirklich gefallen. Ich empfinde 30 Euro für ein Tshirt nicht mehr als viel – natürlich sind 30 Euro viel Geld, aber wenn man bedenkt dass dafür die Arbeiter*innen gerecht bezahlt wurden, das Material umweltfreundlich ist, die Arbeitsbedingungen angemessen und die Firma sich am Ende auch in weiteren sozialen Organisationen einsetzt dann finde ich 30 Euro dafür nicht viel. Ich frage mich eher, warum das 5 Euro Tshirt so günstig ist.
Über dieses Thema kann ich eigentlich noch sehr viel länger berichten – doch ein wichtiger Aspekt der Fashion Revolution ist auch: Tu etwas. Und dabei musst du nicht von heute auf morgen deinen kompletten Kleiderschrank umkrempeln und auf Teufel komm raus alle Fast Fashion Teile loswerden. Klein anfangen ist die richtige Vorgehensweise. Sich selbst zu hinterfragen, zu sensibilisieren, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen. All seine Teile auszusortieren und durch faire Kleidung auszutauschen ist auch nicht der richtige Weg – auf Teufel komm raus neue Kleidung anzuschaffen wäre nicht nur Geld- sondern auch Ressourcenverschwendung. Schließlich ist ja (in der Regel) genügend Kleidung da! Aber wie wäre es, sich vor dem nächsten Neukauf nach einer fairen Alternative umzugucken? Oder zu schauen, wie man alte Kleidungsstücke umändern oder upcyclen kann, damit sie länger getragen werden?
Natürlich weiß ich auch, dass nicht jede*r sich faire Kleidung leisten kann oder möchte. Das ist auch okay, ich finde nur, dass jede*r sein eigenes Konsumverhalten reflektieren kann um u.a. auch darüber nachzudenken: wie viel brauche ich eigentlich? Und was habe ich bereits?

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Hier noch ein paar Möglichkeiten, sich über die Fashion Revolution und das Thema Fair Fashion zu informieren:
– auf der Website der Fashion Revolution findet man super viele Informationen. So ziemlich alle Themen die damit zusammenhängen findet man hier was!
– die Dokumentation The true cost zeigt sehr eindringlich und direkt, wie es hinter den Kulissen in der Modeindustrie aussieht und welche Auswirkungen Fast Fashion auf Mensch und Umwelt hat (dieser wird auch am 29.04 um 19 Uhr im Nelly’s in Mainz gezeigt!)
– auf der Website von Fashion Revolution Germany findet ihr eine Liste mit Events die noch bis Ende der Woche stattfinden. Vielleicht findet ja auch ein Vortrag, eine Kleidertauschparty, ein Film Screeining oder eine Diskussionsrunde bei euch in der Nähe statt?

*die Infos über die Fashion Revolution bzw den Einsturz des Rana Plaza sind von https://www.fashionrevolution.org/about/why-do-we-need-a-fashion-revolution/
*Fashion Zitate: ©Fashion Revolution Org

Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr euch schon mal damit auseinandergesetzt? Habt ihr schon mal an der Fashion Revolution Week teilgenommen?
Ich freu mich über eure Kommentare! Eure Julia