Real Talk: #simpleswap

Müllfreie Alternativen in allen möglichen Lebensbereichen gibt es mittlerweile jede Menge – wunderbar inszenierte Bilder, wie schön das müllfreie Leben doch sein kann, ebenso. Dass die Umstellung vor allem am Anfang alles andere als schön sein kann, sieht man eher seltener. Der #simpleswap kann einen zunächst vor die ein oder andere Hürde stellen. Deshalb möchte ich mit euch meine persönlichen Erfahrungen und kleinen Kämpfe mit drei müllfreien Alternativen teilen.

1. Zahnputztabletten

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Das mag jetzt vielleicht für den ein oder anderen etwas komisch klingen, aber ja, mit Zahnputztabletten hatte ich am Anfang so meine Schwierigkeiten. Das lag vermutlich vor allem daran, dass ich schlicht und ergreifend bisher immer mit Zahnpasta geputzt habe und die Vorstellung, eine Tablette zu zerkauen und sich damit die Zähne zu putzen, für mich irgendwie absurd war. Nachdem ich die ersten paar Tabletten gekauft und mir damit die Zähne geputzt hatte, habe ich erst mal doch wieder zur Zahnpasta gegriffen. Es hat sich irgendwie komisch und nicht richtig angefühlt und irgendwas in mir hat sich dagegen geweigert. Vielleicht war der Gedanke „ach die kleine Zahnpastatube macht meinen Müll jetzt ja auch nicht voll“ auch einfach noch sehr präsent. Jedenfalls war die Skepsis nach dem ersten Versuch noch groß und das Bedürfnis mir wieder „richtig“ die Zähne zu putzen noch größer. Nach ein paar Monaten habe ich dem Ganzen noch mal eine Chance gegeben; und habe mir seitdem keine Zahnpasta mehr gekauft. Vielleicht war der erste Anlauf zu sehr gewollt oder vielleicht habe ich mich nicht richtig drauf eingelassen; heute ist es für mich völlig normal meine Zahnpasta vor dem Gebrauch erst mal zu zerkauen. Auch der letzte Besuch beim Zahnarzt hat gezeigt: Die Tabletten tun was sie sollen, meinen Zähnen geht es prima. Manchmal klappt es nicht direkt beim ersten Mal – kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Das ist vollkommen okay und auch bei so „simplen“ Dingen wie Zahnputztabletten kann die Umstellung schwierig sein. Hier ein Tipp von mir:
*Probier es einfach mal. Schau, wie es für dich klappt und wie sich das Zähneputzen damit anfühlt. Wenn es nicht auf Anhieb gelingt, ist das auch vollkommen okay. Manchmal ist es Liebe auf den zweiten Blick!

2. Die Menstruationstasse

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Ich hatte Tampons satt, und zwar so richtig. Super teuer, unangenehm beim Tragen und für mich persönlich einfach nur unpraktisch. Bei der Suche nach einer müllfreien Alternative stößt man sehr schnell auf die Menstruationstasse. Diese gibt es von unterschiedlichen Herstellern in unterschiedlichen Ausführungen. Ich hatte noch einige Tampons da und wollte diese erst aufbrauchen und quasi währenddessen ein bisschen warm werden mit der Tasse. Ganz ehrlich? Das hat bei mir wirklich lange gedauert. Gerade am Anfang habe ich sehr lange gebraucht sie einzusetzen und wieder herauszunehmen. Dann saß sie auch oft nicht richtig und ich hatte das Gefühl, dass ich noch eine Binde o.ä. als zusätzlichen Schutz brauche. Der Gedanke ‚oh Gott, hoffentlich bekomme ich das Teil da wieder raus‘ hämmerte mir bei meinen ersten Versuchen permanent hinter der Stirn. Nachdem ich alle Tampons aufgebraucht habe ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Danach waren die Tasse und ich noch nicht beste Freunde, aber auf dem besten Weg dahin. Jetzt gab es keine Alternative mehr, ich wollte keine neuen Tampons kaufen also musste es so klappen. Ich habe mir Zeit genommen und diverse Tipps und Tricks im Internet studiert. Und von Mal zu Mal klappte es immer besser. Mittlerweile ist das Ganze für mich überhaupt kein Problem mehr und ich bereue die Anschaffung überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich habe weniger Beschwerden während meiner Periode, ich kann Sport machen, nichts zwickt oder sitzt nicht richtig und ich spüre die Tasse nicht. Hier noch einige Tipps, die besonders am Anfang helfen können:
* Bei Facebook gibt es Gruppen, die die unterschiedlichen Tassen vorstellen und wo du dich informieren kannst, welche die Richtige Tasse für dich ist
* Nimm dir Zeit und probiere es ganz in Ruhe aus. Stress dich nicht, wenn es am Anfang nicht richtig klappt sie einzusetzen oder du lange dafür brauchst – das ist vollkommen normal.
* Auch wenn man Gebrauchsanweisungen oft genug nicht liest: Lies dir in Bezug auf die Pflege und Reinigung am besten die Gebrauchsanweisung durch. Dort findest du vielleicht auch noch weitere, hilfreiche Tipps!

3. Die Rasierhobel

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Ist es nicht verrückt? Die Werbung schafft es so leicht uns zu vermitteln, dass man nur einen rosa-pink gefärbtes Stück Plastik braucht und schon ist es easy peasy und total entspannend, sich die Beine zu rasieren. Dass man sich auch trotz diverser Gelkissen und Gleitschutzapplikatoren dennoch extrem leicht schneiden kann, vergisst man dabei recht schnell. Soviel sei gesagt: Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich mich mit diesen Teilen geschnitten hab. Und zwar zum Teil nicht nur leicht: Mein linkes Schienbein wird seit knapp fünf Jahren von einer Narben geziert. Ich würde ganz generell behaupten, dass scharfe Gegenstände und ich kein gutes Verhältnis haben (auf Gutdeutsch würde man sagen: ich bin ziemlich schusselig) und ich deshalb dem Kauf einer Rasierhobel extrem skeptisch gegenüberstand. Ich habe es tatsächlich sehr lange hinausgezögert und die Klingen vom alten Rasierer so lange benutzt bis sie mehr als stumpf waren und ein Teil sogar abgebrochen ist. Und nein, ich habe mich natürlich nicht dazu ‚gezwungen‘, mir eine Rasierhobel zu kaufen; wer sich mit dem Gedanken so gar nicht anfreunden kann, der sollte es eher sein lassen. Aber ich wollte es definitiv ausprobieren weil man damit zum einen jede Menge Müll und zum anderen auf lange Sicht auch jede Menge Geld sparen kann. Gesagt, gekauft und nun lag dieses Teil in meinem Badezimmer. Ich glaube, was die meisten (und mich auch) am Anfang abschreckt, ist das Design. Super minimalistisch und schön, eigentlich. Es ist schlicht gehalten und komplett aus Edelstahl. Und sieht eher nach einem Instrument auf einem Chirurgentisch aus als nach etwas, was in mein Badezimmer gehört. Dabei wurden bis in die 1970er Jahre fast ausschließlich die Rasierhobel verwendet. Man bezeichnet dieses auch als „Safety razor“, was damit zusammenhängt, dass im Gegensatz zu einem Rasiermesser nur ein sehr kleiner Teil der Klinge rausguckt – im Prinzip vielleicht 2mm der Klinge. Um zu meiner Anschaffung zurück zu kommen: Vor der ersten Verwendung hatte ich wirklich ziemlich viel Schiss, mir damit wehzutun. Extrem viel Schiss. Da war der Gedanke, Müll und Geld zu sparen plötzlich irgendwo weit weg und alles was ich dachte war: Oh man, hoffentlich geht das gut. Und was soll ich sagen? Es ist alles gut gegangen. Bei jeder Rasur. Ich habe mich noch nicht einmal damit geschnitten und auch unter den Achseln und an anderen eher schwierigen Stellen hatte ich keine Probleme.
Ich kann jedem, der sich überlegt, sich so einen Rasierer anzuschaffen, nur ans Herz legen, es einfach mal zu probieren. Ich habe das Gefühl, dass die Rasur viel gründlicher und auch schonender für die Haut ist. Die Klingen halten wohl recht lange (dazu kann ich bisher noch nichts sagen) und sind wesentlich günstiger als die Klingen für den Plastikrasierer. Hier noch ein paar Tipps, die bei den ersten Anwendungen hilfreich sein können:

* Nimm dir Zeit. Wenn du dem Ganzen eh etwas skeptisch gegenüberstehst, dann starte den ersten Versuch nicht zwischen Tür und Angel, sondern lieber ganz in Ruhe. Wer es eilig hat wird hektisch – dann rutscht man leichter ab.
* Gut einschäumen. Das ist das A und O, damit der Rasierer gut über die Haut gleitet!
* Seifenfreie Hände. Durch das Material ist der Griff ein bisschen rutschig, weshalb ich empfehlen kann, die Hände noch mal abzuwaschen – dann hat man einen festeren Griff.

Das alles sind nur meine persönlichen Erfahrungen – wie sehen deine aus? Hattest du am Anfang auch Probleme mit der Umstellung zur müllfreien Alternative? Oder verlief bei dir alles ganz anders?

Ich freu mich über eure Kommentare!
Eure Julia