Buchrezension „Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben. Zero Waste als Lifestyle.“ Von Hannah Sartin und Carlo Krauss

Auf der Suche nach Tipps, wie man im Alltag weniger Müll produzieren kann, findet man mittlerweile jede Menge Bücher zu dem Thema. Ich bin immer noch großer Fan dieses Mediums und habe mir getreu dem Motto ‚Man lernt nie aus‘ ein paar Bücher zu diesem Thema ausgeliehen und stelle euch diese in mehreren Rezensionen vor*.
Teil eins: „Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben. Zero Waste als Lifestyle.“ Von Hannah Sartin und Carlo Krauss

„Wie wir es schaffen, ohne Müll zu leben“ ist noch recht frisch auf dem Markt – es ist im August 2017 erschienen und wurde von Hannah Sartin und Carlo Krauss geschrieben, welche 2016 den OHNE Laden in München eröffnet haben.
Das Buch ist in 17 Kapitel eingeteilt und nimmt den Leser beginnend mit der Einleitung mit auf die Reise, die Hannah und Carlo unternommen haben, um ein müllfreies Leben zu führen. Sie berichten von anfänglicher Begeisterung und Tatendrang, über erste Rückschläge im Supermarkt und erneuten Anlaufversuchen – ich konnte mich sehr gut in die Gefühlslage der Autoren hineinversetzen; es kann anfangs sehr deprimierend sein, mit seiner eigenen Brotdose im Supermarkt zu stehen und an der Käsetheke nur ein „Nein.“ zu hören bekommen. Nach Ausführungen der ersten müllfreien Gehversuchen und Alternativen zum ‚normalen‘ Supermarkt zeigen die Autoren, wie es mit einigen Tipps und Tricks auch ohne unverpackt Laden in der Nähe klappen kann, ein nahezu müllfreies Leben zu führen. Dazu gibt es Rezepte, DIY Anleitungen und Kniffs aus den unterschiedlichsten Bereichen: Küche und Kochen, Badezimmer und Körperpflege, Partys und Geschenke, Essen im Büro, Kleidung, Urlaub, Reparieren statt neu kaufen und Wohnen und Leben. Ein recht großes, weiteres Kapitel nimmt das Thema Familie und Kinder ein.


Bereits einleitend wird deutlich, dass ihre zwei kleinen Töchter eine große Motivation waren, ihr Leben so umzustellen: Ihren Töchtern zu zeigen, dass es auch anders geht und ihnen es so zu ermöglichen, möglicherweise in einer besseren Welt groß zu werden, war einer der Gründe für ihr Zero Waste Leben. Verantwortung und Achtsamkeit: Diese zwei Begriffe lesen sich sehr oft zwischen den Zeilen. Zwar war das Kapitel zum Thema Familie und Kinder für mich insofern eher uninteressant, da ich selbst keine Kinder habe, doch dadurch wirkt das Buch sehr authentisch und undogmatisch. Es zeigt die ehrlichen Beweggründe, die Schwierigkeiten und das Bedürfnis, es trotzdem zu machen. Die Tipps und Erfahrungen sind mit einer gewissen Leichtigkeit formuliert, nicht von oben herab – sie sollen zeigen, dass es ganz leicht sein kann, Dinge selber herzustellen oder zu reparieren.
Schön finde ich, dass zwischendurch auf den Seiten einige Infokästchen abgedruckt sind, die entweder kurze und knappe Tipps enthalten oder wichtige Begriffe und Fakten noch einmal erklären; das empfand ich beim Lesen als sehr hilfreich, da ich merke, dass mir einige Fakten doch hin und wieder entfallen. Auch die Rezepte und DIY Anleitungen sind thematisch passend mitten in den einzelnen Kapitel zu finden und reichen von Küchenrezepten über selbstgemachte Hygieneprodukte hin zum Spielzeug für Kinder. Die Auswahl der Tipps und Rezepte finde ich persönlich ganz schön gemacht – es sind einige ‚Klassiker‘ dabei, die die meisten vermutlich schon kennen, aber auch ein paar Kniffs und Anleitungen, die ich noch nicht kannte. Eine schöne Mischung also.
Etwas schade finde ich, dass das Thema Verhütung doch sehr kurz gekommen ist – es finden sich nur wenige Zeilen in diesem Buch, die wirklich eher enttäuschend waren. Dieses Thema ist sehr wichtig und hätte meiner Meinung nach etwas mehr Beachtung vertragen können – vor allem, da es mittlerweile eine recht große Anzahl an alternativen Verhütungsmethoden gibt, die mal mehr mal weniger müllfrei daher kommen und nicht nur in dem Punkt diskutiert werden könnten.

DSC_1374
Der vorletzte Abschnitt des Buchs ist für diejenigen, die den OHNE Laden kennen, keine Überraschung: Die Entstehung des Ladens von der Idee über die Crowdfunding Kampagne bis zur Umsetzung wird in einem recht kurzen Abschnitt beschrieben, der aber weniger als Werbung bei mir ankam sondern eher als kleiner Einblick in die Entstehung des Ladens. Ich fand das Aufzeigen einer Möglichkeit, wie ein unverpackt Laden aussehen kann und wie das Einkaufen dort funktioniert, als (fast) Abschluss sehr schön. Ganz zum Schluss folgt nämlich noch ein Art Appell – ein paar Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit, Müllvermeiden, Achtsamkeit und Wertschätzung zum Nachdenken für den Leser.

Mein Fazit
Ich finde, dass die beiden Autoren den richtigen Ton getroffen und ein sehr angenehmes Buch geschrieben haben: Als Leserin bekomme ich das Gefühl, ein bisschen mitgenommen zu werden und erhalte wie nebenbei ein paar Tipps zum müllfreieren Leben. Die Themen Familie und Kinder nehmen einen großen Stellenwert ein – was natürlich verständlich ist, wenn man Zero Waste mit zwei kleinen Kindern lebt. Deshalb finde ich es besonders empfehlenswert für junge Eltern oder Paare mit Kinderwunsch – hier finden sie bestimmt noch hilfreiche Tipps für den Alltag. Ich würde das Buch vor allem Einsteigern in dieses Thema empfehlen, da viele grundlegende Aspekte behandelt werden. Doch auch, wer sich bereits ein bisschen in Bereich Zero Waste und müllvermeiden auskennt, findet bestimmt den ein oder anderen Tipp, der für ihn ganz nützlich sein könnte!
Kennt ihr das Buch? Habt ihr es schon gelesen? Wenn ja, was ist eure Meinung? Ich freue mich sehr über eure Kommentare!
Eure Julia

*Die Rezensionen stellen nur meine eigene Meinung dar. Ich möchte einen Überblick geben, wie ich das Buch fand und für welche Lesergruppe es sich eignet.