Über Kleidertauschpartys und Tipps für einen nachhaltigen Kleiderschrank

Ein Sommerkleid, ein Paar Shorts, eine Tasche, eine Bluse und eine Strickjacke. Mit diesen fünf Dingen im Gepäck mache ich mich auf den Weg zu einer Kleidertauschparty. Sie findet auf dem Campus der Uni Mainz statt; an einem Tag mitten im Semester die ideale Lage. Dort angekommen haben bereits die Ersten ihre mitgebrachten Klamotten auf den Tischen verteilt. Es wird nach Art der Kleidung sortiert, damit es übersichtlich bleibt und das Suchen und Finden von neuen Schätzen nicht allzu chaotisch wird.

Das Konzept einer Kleidertauschparty ist ebenso simpel wie genial: Man bringt selbst aussortierte und gut erhaltene Kleidung mit und darf sich im Gegenzug dazu aus den mitgebrachten Teilen der anderen etwas aussuchen und mit nach Hause nehmen. Dabei ist es egal ob man Hose gegen Pullover oder Jacke tauscht; wem es gefällt, der darf es mitnehmen.

Ich unterhalte mich mit Simone, sie hat bei der Organisation geholfen. Die Greenpeace Gruppe Mainz-Wiesbaden ist Veranstalter der Kleidertauschparty. Sie hoffen, erzählt mir Simone, dass damit die Leute auch zum Nachdenken angeregt werden und ihr eigenes Konsumverhalten hinterfragen. Die Nachfrage war groß, seit sie das erste Mal so eine Party veranstaltet haben, es gab nur positive Kritik, weshalb sie nun die zweite Kleidertauschparty organisiert haben. An einem Infostand gibt es neben Flyern von Greenpeace auch Getränke und Kuchen auf Spendenbasis.
Die Stimmung ist gut, es kommen immer mehr Leute. Der kleine Raum füllt sich sehr schnell und das Wort ‚Party‘ ist gar nicht mal weit her geholt. Es wird viel anprobiert und gelacht, neue Bekanntschaften werden geschlossen. Sowohl Kleidertausch Neulinge, die anfangs noch recht schüchtern nachfragen, ob man sich wirklich die Sachen einfach so nehmen dürfte, als auch alte Hasen sind mit dabei. Begleitet wird das Ganze von Live Musik. Sinu, ein lokaler Künstler aus Mainz, hat seine Gitarre mitgebracht und begleitet das entspannte Suchen und Probieren an den Tischen.
Während eine der Party Besucherinnen ihren neu getauschten Pullover begutachtet erzählt sie mir, dass sie es spannend findet, was andere so aussortieren und wieder anderen dann gut gefällt. Neue Schätze entdecken, Einzelteile mit in den Kleiderschrank aufnehmen und ihnen eine zweite Chance geben, das sei der Grund, warum sie hier ist.
Die Leute die hier her gekommen sind, sind sich alle einig: Kleidertauschpartys sind eine gute Sache.
Es geht um Slow Fashion und darum, über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Laut einer Greenpeace Studie zur ‚Wegwerfware Kleidung‘ besitzt in Deutschland jeder Erwachsene durchschnittlich 95 Kleidungsstücke, Socken und Unterwäsche nicht mit eingerechnet. Das ergibt ca. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke – von denen ca. 19% nie getragen werden. Also 1 Milliarde ungenutzte, ungetragene Kleidungsstücke in den Kleiderschränken in Deutschland. (Quelle: https://www.greenpeace.de/files/publications/20151123_greenpeace_modekonsum_flyer.pdf)
Diese Zahl geht bei mir durch Mark und Bein. 1 Milliarde. Ich war noch nie sehr gut darin, räumlich zu denken und kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie groß ein Raum sein muss, damit dort 1 Milliarde Kleidungsstücke rein passen.
Doch diese Kleidertauschparty zeigt, dass es auch anders geht. Dass man Kleidungsstücken eine zweite Chance geben kann, dass sie nicht einfach ungenutzt rumhängen müssen. Das aus ungeliebten, vergessenen Tshirts richtige Schätze werden können. Das Konzept geht auf; die Leute, die bereits gehen, verlassen glücklich und mit neuen Lieblingsteilen die Party. Für mich selbst habe ich leider keine neu getauschte Kleidung gefunden. Doch kurz bevor ich gehe, werfe ich noch einen Blick auf die übrig gebliebene Kleidung und stelle fest, dass alles, was ich mitgebracht habe, ein neues Zuhause gefunden hat. Alle anderen Sachen, erzählt Simone, welche am Ende übrig bleiben, erhalten eine weitere Chance, indem sie an einen lokalen Secondhand Laden gespendet werden.

Ich finde das Konzept von Kleidertauschpartys super – es ist eine tolle Möglichkeit, etwas Nachhaltigkeit in seinen Kleiderschrank zu bringen. Ich weiß, dass es vermutlich nie den ‚perfekten‘ Kleiderschrank geben wird und es immer das ein oder andere Teil gibt, welches vielleicht doch nicht mehr zu 100% dem eigenen Geschmack entspricht oder aus irgendeinem anderen Grund nicht mehr angezogen wird. Ich habe mir selbst einige Regeln aufgestellt, damit die Zahl solcher Kleidungsstücke möglichst gering bleibt.

1. Ich kaufe nur das, was ich brauche.
Anstatt mich mit einer ausgiebigen Shopping Tour zu belohnen, im Sale zuzuschlagen und weitere potentielle Fehlkäufe anzuhaufen, schreibe ich mir eine Liste mit Dingen, die ich wirklich brauche. Um mich z.B. für eine bestandene Prüfung zu belohnen gehe ich stattdessen lieber mit Freunden Essen, ins Kino oder ins Theater. Auf meiner ‚Wunschliste‘ steht derzeit bei mir z.B. ein schwarzes und ein blaues oder graues Tshirt, eine dunkelblaue Jeans und ein getreiftes Langarm Shirt. Nach einer passenden Jeans suche ich übrigens schon seit fast sechs Monaten – bisher war aber keine die ich gefunden habe, perfekt. Und das bringt mich auch schon zum nächsten Punkt.
2. Es muss Liebe sein
Das Shirt gefällt, weil es günstig ist? Eigentlich ist es ein bisschen eng, es kratzt und die Qualität lässt auch zu wünschen übrig? Dann kommt es bei mir auch nicht mehr in den Kleiderschrank. Es muss Liebe sein, mir absolut gefallen und nicht noch ein so lala Teil sein. Denn davon habe ich bereits genug gekauft.
3. But first: Secondhand
Ich weiß, ich erwähne das ziemlich oft. Aber bevor ich mir etwas Neues kaufe, schaue ich mich Secondhand um. Wie oben gezeigt wurde, gibt es schon so vieles, was bereits produziert wurde. In der Regel wird man dann – vielleicht mit etwas längerer Suchzeit – auch fündig. Ob auf dem Flohmarkt, dem Secondhand Laden vor Ort, im Internet oder auf Kleidertauschpartys – die Möglichkeiten und damit verbunden auch die Auswahl sind heute ziemlich groß.
4. Einmal fair bitte!
Nun habe natürlich auch ich genaue Vorstellungen von dem, was ich tragen möchte. Und es gibt faire Marken, die mir gefallen, die wunderschöne Kleidung produzieren und auch davon stehen Dinge auf meiner Liste. Und genau hier liegt der Punkt: Wenn neu, dann fair. Und zwar nicht in Massen, sondern Einzelteile für die ich auch gerne etwas länger spare, Highlights in meinem Kleiderschrank, die ich lange tragen kann.
5. Dingen neues Leben einhauchen
Der Rock, den du schon seit Jahren hast gefällt dir, aber eigentlich ist er dir ein Stück zu lang? Das Tshirt würde dir besser gefallen, wenn es blau und nicht weiß wäre? Die schwarze Jeans sieht irgendwie langweilig aus?
Es ist ganz einfach, Kleidungsstücken ein neues Leben einzuhauchen, sie abzuändern, einzufärben oder zu kürzen. Was ich selbst nicht hinbekommen habe, habe ich zur Schneiderin gebracht. Und diese Teile trage ich seit dem wieder wahnsinnig gerne. Bevor ich also etwas aussortiere überlege ich, ob ich das Teil nicht doch behalten würde, wenn es etwas abgeändert wäre.

An dieser Stelle möchte ich mich noch beim Team von Greenpeace Mainz Wiesbaden bedanken, dass ich zu der Kleidertauschparty für meinen Artikel kommen und Fotos machen durfte und so freundlich empfangen wurde.

Wart ihr schon mal auf einer Kleidertauschparty? Was sind eure Tipps, um den Kleiderschrank etwas nachhaltiger zu gestalten?

Ich freu mich über eure Kommentare! Eure Julia