Zero waste, Less waste und alles mögliche dazwischen

Im Internet sieht man oft Bilder von Einmachgläsern, in denen sich der Müll einer Person von teils mehreren Jahren befindet. Jedes mal, wenn ich das sehe, bin ich total baff, wie es möglich ist, tatsächlich so wenig Müll zu produzieren. Ich ziehe meinen Hut vor allen Leuten, die so umweltbewusst leben. Ich bin mir auch sehr sicher, dass es irgendwie möglich ist, so wenig Müll zu produzieren. Aber ich glaube auch, dass jede Menge Selbstdisziplin dazu gehört. Und ich weiß auch, dass manchmal der innere Schweinehund so unfassbar groß ist, dass man doch mal zur Schokolade im Supermarkt greift. Und das ist auch vollkommen okay, denn niemand ist perfekt. Ich habe meinen Müll, vornehmlich den Plastikmüll, in den letzten zwei Jahren drastisch reduziert. Bevor ich mir Gedanken zu diesem Thema gemacht habe, habe ich zwei 20l Säcke voll mit Plastikmüll pro Woche produziert. Alleine. Mittlerweile bringe ich einen 20l Sack alle 5 Monate raus. Das ist immer noch sehr viel, jedenfalls wenn man es mit den Einmachgläsern im Internet vergleicht. Und genau das ist der Fehler, den ich oft mache – mich mit dem Ideal aus dem Internet zu vergleichen. Dabei kenne ich die Lebensumstände dieser Personen gar nicht, weiß nicht genau, was das für Leute sind, die so vorbildlich leben. Und dann habe ich oft ein schlechtes Gewissen. Weil ich am Tag vorher doch schwach geworden bin und mir eine Tüte Gummibärchen oder Schokolade gekauft habe. Oder weil ich, statt früh aufzustehen und mit meiner eigenen Brotdose auf den Markt zu gehen, den Käse nun doch in Plastikfolie im Supermarkt kaufen muss.
Es gibt natürlich grundlegend Dinge, die ich definitiv nicht mehr in Plastik kaufe. Da geht es mir gewissermaßen ums Prinzip. Die Gurke gibts nur noch in Folie eingeschweißt? Dann geht es eben ohne. Feldsalat gibt es nur abgepackt? Dann suche ich mir eine Alternative. Aber abgesehen von Obst und Gemüse gibt es ja nun mal auch andere Dinge, die ich im Alltag konsumiere und die mich nach einem langen Arbeitstag so herrlich im Supermarkt anlächeln.
Ich habe mir vorgenommen, mehr selbst zu machen, zum Beispiel zu backen, und so ganz einfach was Süßes zu Hause zu haben. Mit diesem Wissen im Hinterkopf fällt es doch viel leichter, die süße Versuchung im Supermarkt liegen zu lassen. Denn wer gibt schon Geld für Gummibärchen aus, wenn man weiß, dass zu Hause ein leckeres Stück Kuchen auf einen wartet?
Doch auch wenn ich mir vorgenommen habe, meinen Plastikmüll noch weiter einzuschränken, so wird er vermutlich niemals in ein Einmachglas passen. Jedenfalls nicht der Müll mehrerer Jahre. Und das ist auch vollkommen okay so. Bei all der wunderbaren Inspiration auf Instagram und Co. sollten wir alle nicht vergessen, dass wir alle bloß Menschen sind. Dass es okay ist, im Supermarkt schwach zu werden und verpackte Süßigkeiten zu kaufen. Dass es okay ist, wenn man diesen Monat doch mal wieder etwas mehr Müll produziert hat. Denn jeder noch so kleine Schritt ist wichtig. Vielleicht hat man heute die Schokolade im Supermarkt gekauft, trotz des schlechten Gewissens. Aber ist es nicht schon so viel wert, dass man überhaupt ein schlechtes Gewissen hat, und es vielleicht beim nächsten Mal anders macht?

Was sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Lebt ihr Zero waste oder Low waste oder steht ihr noch ganz am Anfang von diesen Überlegungen? Ich freu mich über eure Kommentare!
Eure Julia